Mögliche Ursachen für ruckelnde Liveansicht bei PoE-Kameras
Wenn bei der Liveansicht von PoE-Kameras die Bilder ruckeln, gibt es mehrere mögliche Ursachen. Im Folgenden werden die häufigsten Probleme und entsprechende Lösungsansätze aufgeführt.
1. Netzwerküberlastung und Bandbreite
- Bandbreite des Netzwerks: Jede Kamera benötigt eine bestimmte Datenrate, abhängig von Auflösung, Bildrate (FPS) und Kompression. Bei 20 Kameras kann die Gesamtbandbreite schnell mehrere hundert Megabit pro Sekunde erreichen. Ein 100-Mbit/s-Netzwerk ist hier meist überfordert, ein Gigabit-Netzwerk ist empfehlenswert
- Switch-Kapazität: Der verwendete PoE-Switch muss nicht nur genügend Strom liefern, sondern auch die nötige Netzwerkbandbreite bereitstellen. Günstige oder ältere Switches können bei vielen gleichzeitigen Streams zum Flaschenhals werden
- Kabelqualität: Schlechte oder zu lange Netzwerkkabel (über 100 Meter) können die Übertragungsqualität beeinträchtigen
Lösung:
- Prüfen, ob ein Gigabit-Switch verwendet wird und alle Verbindungen Gigabit-fähig sind.
- Netzwerkverkabelung und Switch auf ausreichende Kapazität prüfen.
- Gegebenenfalls Netzwerksegmentierung oder zusätzliche Switches einsetzen.
2. PoE-Stromversorgung
- Leistungsbudget des Switches: Jeder PoE-Switch hat eine maximale Gesamtleistung. Wenn 20 Kameras angeschlossen sind, kann das Leistungsbudget überschritten werden, was zu Ausfällen oder Neustarts der Kameras führt
- Leistungsaufnahme der Kameras: Hochwertige Kameras mit PTZ-Funktion oder Heizung benötigen mehr Strom. Prüfen, ob der Switch die Summe aller angeschlossenen Kameras liefern kann
Lösung:
- Leistungsaufnahme aller Kameras addieren und mit dem PoE-Budget des Switches vergleichen.
- Bei Bedarf stärkeren Switch oder PoE-Injektoren verwenden.
3. Einstellungen der Kameras und Software
- Auflösung und Bildrate: Hohe Auflösung und hohe FPS erhöhen die Datenmenge. Bei vielen Kameras empfiehlt es sich, die Auflösung und/oder FPS zu reduzieren
- Kompression: H.264/H.265-Kompression reduziert die Datenrate, kann aber bei schwacher Hardware zu Verzögerungen führen
- Keyframe-Intervall: Ein zu großes Intervall kann zu Rucklern führen, insbesondere bei vielen bewegten Details
Lösung:
- Auflösung und FPS der Kameras anpassen (z. B. 1080p statt 4K, 15 FPS statt 30 FPS).
- Kompressionseinstellungen optimieren.
- Keyframe-Intervall anpassen.
4. Hardware des Anzeigegeräts
- CPU/GPU-Auslastung: Die Liveansicht von 20 Streams kann den PC, das NAS oder den NVR überfordern, insbesondere wenn die Decodierung per Software erfolgt
- Browser/Software: Unterschiedliche Programme oder Browser können unterschiedlich performant sein
Lösung:
- Leistungsfähigere Hardware verwenden oder Streams auf mehrere Geräte verteilen.
- Alternative Software oder Browser testen.
5. Weitere Störquellen
- Störungen im Netzwerk: Andere Geräte im Netzwerk (z. B. Multicast, Drucker, WLAN) können die Performance beeinträchtigen
- Stromversorgung: Instabile Stromversorgung oder fehlende Erdung kann zu Aussetzern führen
Lösung:
- Netzwerkstruktur vereinfachen und Störquellen identifizieren.
- USV und Überspannungsschutz einsetzen.
Zusammenfassung der wichtigsten Maßnahmen
| Problemfeld | Mögliche Ursache | Lösungsvorschlag |
| Netzwerk | Zu geringe Bandbreite/Switch | Gigabit-Switch, bessere Verkabelung |
| PoE-Stromversorgung | Switch überlastet | Leistungsbudget prüfen, ggf. stärkeren Switch |
| Kameraeinstellungen | Zu hohe Auflösung/FPS | Einstellungen anpassen |
| Hardware | PC/NVR überlastet | Leistungsfähigere Hardware, Streams verteilen |
| Störungen | Andere Netzwerkteilnehmer | Netzwerk segmentieren, Störquellen eliminieren |
Tipp:
Testweise einzelne Kameras deaktivieren und prüfen, ab welcher Anzahl das Ruckeln beginnt. So lässt sich das Problem eingrenzen
